Geschichte unseres Dorfes
GESCHICHTE VON EDDELSTORF!
Wie bei vielen Dorfnamen ist auch der Name Eddelstorf vermutlich auf einen altdeutschen Personennamen zurückzuführen. Ein Mann namens „ETHIL“ wird also hier seine erste Siedlung gebaut haben. Man nannte es daher ETHILSDORP. Eddelstorf ist also das Dorf des oder der ETHIL. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Aussprache bzw. Schreibweise in Edelstorf, heute Eddelstorf gewandelt.
Eine größere Entwicklung blieb Eddelstorf versagt, da der wirtschaftliche Aufstieg von der hiesigen Bevölkerung, insbesondere den Landwirten, nicht gesehen wurde.
Bauwilligen wurde seinerzeit Bauland nicht zur Verfügung gestellt. Viele, die sich nach der Flucht aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten hier schon heimisch fühlten, verließen Eddelstorf, um sich in der näheren oder weiteren Umgebung niederzulassen.
Des Weiteren wurde die Entwicklung gebremst durch Betriebsstilllegungen, Betriebsaufgaben oder Rationalisierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft. Die Schneiderei Schuller, im Hause Liesbeth Klipper, stellte als erste ihre Produktion ein. Dann wurde die Tischlerei Meywerk, Inhaber Adolf Benecke geschlossen.
Frau Gertrud Juhnke gab ihren Lebensmittelladen auf. Die Stellmacherei von Walter Schulz wurde mangels Nachfrage geschlossen. Die Bäckerei stellte 1970 den Betrieb ein. Die Ziegelei schloss 1969 ihre Tore. Der Betrieb der Mühle wurde 1961 eingestellt. Ebenfalls gab Martha Klippe aus Altersgründen ihre Damenschneiderei auf, der Schuhmacherei-Betrieb im gleichen hause wurde schon 1955 aufgegeben.
In der Schmiede von Karl Müller wird seit 1980 nicht mehr gearbeitet. Arbeitsplätze am Ort wurden Mangelware. Der größte Teil der im Ort wohnenden Arbeitnehmer sind heute Pendler, die ihre Arbeitsplätze in den umliegenden Städten und Gemeinden haben. Lediglich ein paar landwirtschaftliche und Handwerks-Betriebe sind erhalten geblieben.
Heute, Anno 2006 hat das Dorf 381 Einwohner. Die politische Selbständigkeit unseres Ortes endete 1972. Durch die Verwaltungs- und Gebietsreform des Landes Niedersachsen wurde Eddelstorf ein Ortsteil der Gemeinde Altenmedingen, die wiederum Mitglied der Samtgemeinde Bevensen ist.
Die heutigen Kulturträger in Eddelstorf sind die Vereine und Verbände. Durch ihre Aktivitäten tragen sie zum Erhalt der Dorfgemeinschaft bei und prägen das Miteinander der hier lebenden Menschen.
Urkundliche Erwähnung des Dorfes
Zur Beglaubigung von Urkunden zogen Herzöge oft ihre Gefolgsleute hinzu, wodurch es erstmalig 1162 zur urkundlichen Bezeichnung und Erwähnung des Dorfes Altenmedingen kam:
Heinrich der Löwe verlieh 1162 dem Probst und Domkapitel von Ratzeburg 27 Mark vom Zoll der Stadt Lübeck. Als Zeugen haben diese Urkunde 24 Kirchenfürsten und Nobile (Adelige), 24 Ministeriale und darunter an 13. Stelle – Otto von Medinghe – unterschrieben.
Dass schon sehr früh eine Kirche in Altenmedingen bestanden hat, bezeugt eine Urkunde von Anno 1200. Es handelt sich um eine Verkaufsakte zwischen Ritter Otto II. von Meding, mit Zustimmung seiner Frau, seiner Brüder und Söhne, und der Kirche in dem Dorfe Bodendorp zu dem Preis von 10 Hamburgischer Denare.
In dieser Zeit beginnt die wirkliche Geschichte unserer Dörfer, die eng mit der Familie von Meding verbunden ist. Lyßmann, der 1713 – 1721 Pastor in Altenmedingen gewesen ist, hat in seiner „Historischen Nachricht des Klosters Meding“ dessen Entstehung beschrieben:
Der Laienbruder Johannes aus einem ungenannten Zisterzienserkloster machte sich mit den vier Nonnen Clementa, Floria, Anthonia und Zacharia auf den Weg, um einem göttlichen Befehl folgend, irgendwo ein neues Kloster zu gründen. Die wechselvolle Geschichte führte sie über Redekestorp nach Plate, wo Johannes starb. Durch Vermittlung des Abtes von Rastede gelangten sie nach Bohndorf (1237), wo sie ihren ersten Probst Helmeke wählten und von den Rittern zu Meding unterstützt wurden.
GRÜNDUNG EDDELSTORF
Als Helmeke am 10. Dezember 1240 auf dem Wege von Medingen nach Bohndorf durch Wenden getötet wurde, machten die Ritter von Medingen als Gerichtsherren die Mörder mit allen ihren Nachkommen zu Leibeigenen des Klosters.
Die durch den unglücklichen Tod des Johannes jetzt wieder verwaisten vier Jungfrauen wussten nicht, wie sie ihre Sache ferner einrichten sollten. Dieser mitleidswürdige Zustand der Jungfrauen ließ sich die Frau des Herrn Gebhardi jun. von Meding so zu Herzen gehen, dass sie ihren Mann bedrängte, sich der armen Kinder anzunehmen.
Der Ritter nahm sich ihrer an und gab ihnen vorerst den Zehnten zu Eddelstorf. 1241 schenkte er ihnen nebst einer beträchtlichen Summe Geldes auch eine wüste Hofstätte in Altenmedingen nebst allen dazugehörigen liegenden Gütern.
Von nun an nahm der Wohlstand des Klosters durch Schenkungen und Käufe schnell zu.
Erwähnt wurden unsere Dörfer erstmalig in irgendwelchen Schenkungsurkunden, die den Dorfzehnten oder das Besitzrecht betreffen. Der Ritterstand hatte seine Blütezeit damals erreicht und die adeligen Herren gaben häufig ihre Besitzrechte an die Klöster ab. Wieder andere, um das Heil ihrer Seele besorgt, vermachten den Klöstern Schenkungen.
Diesen Umstand verdanken wir auch die erste urkundliche Erwähnung unseres Dorfes EDDELSTORF. 1240 wurde der Zehnte des Dorfes Eddelstorf von Gebhard von Meding an das Kloster in Medingen geschenkt. Das genannte Kloster kaufte dann von den Edelleuten Thune zwei Höfe des Dorfes. Aus der nun folgenden Urkunde ist zu entnehmen, dass noch weitere 5 Höfe in den Besitz des Klosters über gingen.
Die Urkunde hierüber, hat von lateinischer Sprache ins Deutsche übersetzt, folgenden Wortlaut:
„Ludolf, Abt von Gottes Gnaden, der Prior Friedrich und die ganze Gemeinde von St. Michael zu Lüneburg bescheinigen allen, die dieses Schriftstück sehen oder von ihm hören werden, ewiges Heil in Gott!
Dem menschlichen Gedächtnis entschwindet all zu leicht, was nicht durch die Stimme der zeugen oder durch schriftliche Festlegung gesichert ist. Deshalb wünschen wir zur Kenntnis des gegenwärtigen und zukünftigen Geschlechts zu bringen:
Wir übertragen um Gottes Willen und nicht zur Nutznießung unseres geliebten Probstes Hartwig und des Ritters Werner, genannt von Medingen, frei und nicht lehhnspflichtig das Eigentum an 5 Häusern in dem Dorfe EDDELSTORF mit allem Zubehör, welches vorgenannter Werner und sein Bruder von uns als Lehen gehabt haben, der Kirche und dem Convent zu Medingen.
Damit die Schenkung nicht von unseren Nachfolgern rückgängig gemacht werden kann, lassen wir dieses Schriftstück mit einem Siegel versehen.
Geschehen zu Lüneburg
Im Jahre des Herrn 1296
Am Tage des heiligen
Johannes des Täufers“.
Zwei urkundliche Erwähnungen geben also Kunde von der Existenz unseres Dorfes, die aus dem Jahre 1240 und die andere aus dem Jahre 1296.
Der Raum Altenmedingen / EDDELSTORF und seine Umgebung liegt zwar abseits der großen Nord-Süd-Verbindungslinien, ist aber seit urgeschichtlichen Zeiten ein bevorzugter Siedlungsplatz gewesen. Auf dem Windmühlenberg in Altenmedingen hat sich ein Teil der ältesten Siedlungsgeschichte erhalten.
Lange Zeit war es für die Kinder ein Zeitvertreib, zum Windmühlenberg zu gehen und sich dort Vasen und Schädel auszugraben, um sie dann zu zerschlagen.
Die ältesten Funde dieses Raumes stammen aus dem NEOLITHIKUM (Jungsteinzeit) von 3.000 vor Christi.
Allgemein bekannt sind aus dieser Zeit die „Königsgräber“ bei Haaßel. Es ist der Rest eines Gräberfeldes, das sich einst von Haaßel über Niendorf bis Secklendorf hinzog.
Es sind Großsteingräber mit einer gesonderten Grabkammer, die von einer langen Steinsetzung eingeschlossen ist. Die Steine der Umgrenzung sind Findlinge mit einer glatten Seite, wohl Gletscherschliff. Der Innenraum war ganz mit Erde gefüllt. Daher stammt der Name „Hünenbetten“.
Aus der gleichen Zeit sind die Altenmedinger Kleingräber des Windmühlenberges erhalten, die kaum die Länge einer Bestattung haben und mit gespaltenen Steinen eingefasst sind. Die Datierung dieser Gräber für die Steinzeit war deshalb möglich, weil einmal die Nord-Süd-Richtung, zum anderen die Beigabengefäße und sonstigen Keramikreste dies bewiesen. Dabei ergab sich das Erstaunliche, dass hier auf dem Windmühlenberg zwei verschiedene Volksgruppen ihre Toten bestattet haben und sicherlich in der Nähe gewohnt haben müssen:
Tiefstichkeramiker und Schnurkeramiker.
Da Gefäßreste von beiden Gruppen auf demselben Bestattungsplatz gefunden worden sind, kann mit einiger Sicherheit angenommen werden, dass beide Volksgruppen hier friedlich nebeneinander gelebt haben.
Aus der anschließenden Bronzezeit stammen noch einige Hügelgräber in der Feldmark (z.B. Reisenmoor). Einige steinerne Speerspitzen und ein kleines Steinbeil, die noch in der Bronzezeit gebräuchlich waren, sind in der südlichen Feldmark Altenmedingen gefunden worden.
Über den EDDELSTORFER Dorfbereich zieht sich eine Siedlungsschicht, die Reste aus der Zeit von 500 bis 600 vor Christi enthält und eine kontinuierliche Besiedlung bestätigt. Besonders stark ist die Ripdorfzeit, 300 bis 150 vor Christi, vertreten. Aus dieser zeit sind umfangreiche Keramikfunde vorhanden.
Spätestens um 600 nach Christi muss der Windmühlenberg in Altenmedingen als Siedlungsplatz aufgegeben und das Dorf Altenmedingen an seiner jetzigen Stelle errichtet worden sein. Die ältesten Gräber werden nach ihren Broschen in die Merowinger-Zeit ab 650 nach Christi datiert.
Alle Gräber sind West-Ost-Gräber, was als Ausdruck einer christlichen Grundhaltung angesehen werden kann.
Während der Völkerwanderung hat sich ein Großteil der angestammten langobardischen Bevölkerung um 400 nach Christi zuerst nach Westen und dann nach Süden (Lombardei) in Marsch gesetzt, und die Sachsen nahmen dieses Gebiet ein.
Im Verlauf der Sachsenkriege Karls des Großen wird der Bardengau wiederholt in den Reichannalen genannt:
780 n. Chr. Karl der Große zog weiter zur Elbe und unterwegs wurden alle Bardengauer in Ohrem jenseits der Oker getauft.
785 n. Chr. Karl der Große durchzog abermals ganz Sachsen und kam in den Bardengau.795 n. Chr. Karl der Große drang mit seinem Heer in Sachsen ein und erreichte die Elbe bei dem Orte Lüneburg… Der König aber kehrt, nachdem er die Sachsen schwer geschlagen hatte, nach Gallien zurück.
Hieraus kann man folgern, dass der Bardengau damals böse verwüstet wurde. Mit dem Jahr 799 war offenbar die Eingliederung des Bardengau in das fränkische Reich abgeschlossen.
Neben diesen politischen Änderungen traten auch starke religiöse und soziale ein.
Die Capitularien de Partibus Saxoniae setzten für jegliche Fortführung heidnischer Bräuche die Todesstrafe fest, wie auch für die geringste Behinderung oder Belästigung der neuen christlichen Kirche.
Nach dem Tode Karls des Großen sollen sich als Folge seiner Sachsendeportationen die WENDEN immer weiter nach Westen vorgeschoben haben und besonders den Goh Bevensen – Also unsere engere Heimat – mindestens bis zur Ilmenau völlig besetzt haben.
Zur Orientierung:
Der Teil des alten Bardengaues, der das heutige Kreisgebiet umfasst, war im Mittelalter in 5 Gohe unterteilt:
Goh Bevensen
Goh Ebstorf
Land Uelzen
Land Bodenteich
und die Vogtei Suderburg
Mit den Billungern, deren Besitzungen im Bardengau lagen, begann die Wende. Aus dieser Zeit soll die Burgenreihe stammen, die sich von der Elbe über Lüneburg, Wichmannsburg, Bevensen, Bodenteich bis zu Aller hinzieht und einem weiteren Vordringen der Wenden ein Ende setzen sollte.
EDDELSTORF hat damals also im wendischen Bereich gelegen. Unter dem Sachsenkönig Ot
o I. (Otto der Große 936 – 973) wurden dem Billunger Grafen Hermann die Verwaltung und Sicherung des sächsischen Stammherzogtums übertragen, da der Kaiser völlig von der Reichspolitik in Anspruch genommen wurde. Mit den Billungern begann um die Mitte des 10. Jahrhunderts die Ausdehnung des sächsischen Machtbereiches wieder nach dem Osten, die unter Heinrich I. bis nach Mecklenburg und Pommern reichte.
Es ist anzunehmen, dass damals zur Sicherung des wieder gewonnenen Gebietes ein Sachse aus dem niederen Landadel unserer Dörfer, nach den seit den Karolingern üblichen lehnstaatlichen Grundsätzen zugesprochen bekam, und sich mit einigen sächsischen Bauern in unserer Gegen niederließ. Familiennamen waren damals kaum üblich und so nannte sich der Grundherr nach seinem Stammsitz.
Mit Heinrich I. begann die eigentliche deutsche Geschichte, als er 919 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gründete. Aber schon zogen dunkle Wolken am Himmel auf, als 1188 Boten aus Rom am Hofe erschienen und berichteten, dass das Heilige Land von den Truppen des Sultans Saladin erobert worden sei. Die geweihten Stätten der Christenheit, Bethlehem, Jerusalem und Golgatha befanden sich in seiner Gewalt. Die Folge waren die Kreuzzüge, die die Rückeroberung zum Ziele hatten. Wir wissen, dass sie von wenig Erfolg gekrönt waren und dass Kaiser Friedrich I., auch Barbarossa genannt, 1190, also 50 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung unseres Dorfes EDDELSTORF, in einem Fluss ertrank.
Es ist allgemein bekannt, dass in aller ältester Zeit die germanischen Völker im Laufe der Jahrhunderte fast unmerklich von Osten nach Westen wanderten. Der Siedlungsraum dieser Völker, der ursprünglich bis in das Innere Russlands reichte, verlagerte sich später in den Raum zwischen Elbe und Rhein und noch weiter westlich. Den Germanen waren von Osten her slawische Völker – für unsere Gegend die Wenden – gefolgt. Diese konnten in unserer Gegend bis zur Ilmenau vordringen und sich für längere Zeit festsetzen. Als die Germanisierungsbestrebungen der deutschen Fürsten – in unserer Gegen die Otto des I. sowie seiner Gefolgsmänner mit Hermann Billung und andere – einsetzten, drängte man die Wenden wieder zurück.
Auch unser Dorf hat für längere Zeit unter wendischem Einfluss gestanden. Aus der Geschichte des Klosters Medingen ist uns bekannt, dass die Nonnen des Klosters viel unter den räuberischen Wenden zu leiden hatten.
Es gelang auch in unserer Gegend die Wenden bis über den DRAWEHN – das ist der Höhenzug zwischen uns und unserem Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg – zurück zu drängen.
Die GÖHRDE, die auch auf diesem Höhenzug liegt, trennte unsere Gegend vom wendischen Volk. Nach und nach, obwohl sich das wendische Eigenleben noch lange hielt, wurden die Wenden friedlicher und gingen - auch im Kreis Lüchow-Dannenberg - in unserem Volke auf. In mancher Beziehung spüren wir noch heute den Einfluss der Wenden in unserer Gegend. Sie legten ihre Dörfer in der Form eines Rundlings an. Auch die Germanen haben – sofern sie mit diesem slawischen Volk in Berührung kamen – diese Bauweise übernommen. Doch ist diese Bauweise im Laufe der letzten Jahrhundert bzw. Jahrzehnte sehr verwischt worden, so dass gut erhaltene Rundlings-Dörfer heute sehr selten geworden sind. Viele der alten Rundlinge machen heute den Eindruck eines Reihen- oder Haufendorfes.
Wie steht es in dieser Beziehung nun mit unserem Dorf?
Heute sehen wir wohl allgemein den Platz um den Dorfkrug bzw. um das Feuerwehrgerätehaus als die Mitte unseres Dorfes EDDELSTORF an. Das war früher anders:
Auszug aus der Chronik zur 750 Jahrfeier:
Beziehung unseres Dorfes
Eddelstorf war ursprünglich auch als Rundling angelegt. Der Dorfplatz, oft durch einen mächtigen Lindenbaum geziert, befand sich etwa dort, wo die Häuslingswohnungen des Königsschen und Scharnhopschen Hofes stehen.
Wer sich etwa um das Jahr 1760 von Altenmedingen her unserem Dorf näherte, sah etwa dort, wo heute der Dorfkrug liegt. Links der Straße lag damals kein einziges Haus. Die rechts der Dorfstraße gelegenen Häuser würden, soweit die Hofstellen bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben sind, nicht die Form eines Rundlings ergeben. Wer früher vom Spritzenhaus nach dem Hause des Landwirtes Friedrich Röber hinunter ging, sah links in den Wiesen drei Hofstellen liegen, deren Gebäude teilweise erst in neuerer Zeit abgebrochen wurden. Hauptsächlich war es die Feuchtigkeit dieses Geländes, die die Bauern dazu veranlasste von hier fort zu gehen. Der zunehmende Hackfruchtanbau machte auch größere Kelleranlagen erforderlich. Diese konnte man in den Wiesen in Folge der Nässe nicht einrichten.
Einfassung der Hofstellen durch Steinmauern
Alle Hofstellen waren damals durch Steinmauern eingefasst, ebenso die Hausgärten, die zum Teil links der Straße lagen. Diese Steine holte man in großer Zahl herbei, um daraus Steinmauern bzw. Fundamente für die Häuser zu bauen. In den zahlreichen Hünengräbern, die damals vor allen Dingen westlich des Dorfes in dem Mohrmannschen Forst am Reisenmoor, im Kumlosen usw. in Richtung Aljarn lagen, hatte man sie in jeder Menge zur Verfügung. Leider wusste man damals noch nicht, was man tat, als man die Zeugen der Vorzeit zerstörte.
Dorfplan laut topographischer Landesaufnahme
Einen anschaulichen, wenn auch nicht ganz klaren Dorfplan gibt uns eine Karte. Die so genannte „Topographische Landesaufnahme“ der damals Königlich-Hannoverschen Regierung aus den Jahren 1764 – 1786. Wo auf dieser Karte der Altenmedinger und Haaßeler Weg zusammen stoßen, liegt – von Altenmedingen kommend – auf der linken Seite ein Doppelgarten. Auf der rechten Seite liegt eine Hofstelle mit recht geräumigem Hofraum. Es muss die Hofstelle des Bauern Konau gewesen sein, die im Contributionsregister des Jahres 1789 als wüste bezeichnet wird.
Besitzverhältnisse
Die Besitzverhältnisse betreffs der Ländereien, die zu den einzelnen Häfen gehörten, haben sich in unserer Gemeinde sehr verschoben und gewandelt, wie in keiner unserer Nachbargemeinden. Geradezu revolutionierend wirkte sich um die Mitte des letzten Jahrhunderts das Erscheinen des Ökonomen Behrens in unserem Dorfe aus, der zunächst den Schierwaterschen Hof – heute Nr. 8 – aufkaufte. Dann den einen Baumgartenschen Hof. Ja, alte Leute wollen sogar wissen, dass ihm die Hälfte der Eddelstorfer Feldmark gehörte. Doch dies ist übertreiben. Da Behrens wohl in der Hauptsache Theoretiker war, ging sein Unternehmen in die Brüche. Die Aufteilung seines Besitzes brachte starke Veränderungen mit sich.
Das ständige Wachsen unseres Dorfes im Laufe der Jahrhunderte, die Zunahme der Bevölkerung und die vermehrte Bautätigkeit lassen vermuten, dass die meist bäuerliche Bevölkerung strebsam und fleißig war und, soweit es die politischen Verhältnisse zuließen, es auch zu einigem Wohlstand brachte.
Aber das war nicht immer so. Immer waren es politische Ereignisse, Krisen und Kriege, die mit fortschreitender Zeitrechnung immer mehr in das persönliche Leben der Dorfbewohner eingriffen, ihnen das Leben schwer machten und sie in ihrer Existenz bedrohte.
Zwei Kriegsereignisse waren es, die nicht nur in das Leben unserer Dorfbewohner, sondern ganz Deutschland, zum Teil in Europa eingriffen, nämlich der 30-jährige Krieg (1618 – 1648 und die Franzosenzeit (1803 – 1813.
Nachdem die inneren Glaubenskämpfe der Reformation zunächst nur von den Leitern der Völker ausgefochten wurden, sollte das ganze Volk etliche Jahre später in allen seinen Schichten die furchtbaren äußeren Leiden und Drangsale, welche aus dem Religionswechsel entsprangen, in vollem Maße erfahren. Der 30-jährige Krieg zog auch Lüneburg, Bevensen und seine Umgebung in die Kriegswirren hinein.
Wenn es auch zu Kampfhandlungen in unserer Gegend kaum gekommen ist, so haben die Bewohner des alten Amtes Medingen doch sehr unter den Truppenzügen und Einquartierungen zu leiden gehabt.
Alle Feldherren, ob Freund oder Feind, huldigten dem Grundsatz „Der Krieg muss sich selbst ernähren!“
Durchziehende Truppen raubten, plünderten und brandschatzten. Fast täglich erklangen die Sturmglocken. Bei diesen Raubzügen zündeten zum Beispiel dänische Kriegsknechte 1628 Solchstorf an und legten es gänzlich in Asche. Die Bauern waren nicht im Stande, es wieder aufzubauen und wanderten in andere Dörfer ab. Das Dorf ist als solches auch nie wieder aufgebaut worden.
Beim Ausgang des 30-jährigen Krieges waren nur wenige Höfe unserer Heimat noch in denselben Händen, wie zu Anfang des Krieges. Im Amte Medingen waren nur sechs Dörfer, in denen keine wüsten Höfe lagen.
Nicht minder schwer war die Zeit, die wir schlechthin die „Franzosenzeit“ – 1803 bis 1813 – nennen. Wie viel Jammer und Elend, Schmach und Unrecht fasst die Erinnerung in diese Worte zusammen: Die Drangsale des 7-jährigen Krieges sind vergessen, die Franzosenzeit wird unserem Volk immer im Gedächtnis bleiben. Auf später errichteten Kriegerdenkmälern erscheinen erstmalig Namen von Männern, die aus unseren Dörfern stammen.
Zeiten unseligen Gedenkens sind auch die beiden späteren Weltkriege (1914-1918 und 1939-1945). Erstmalig greifen die Ereignisse einer Zeit in jedes Dorf, ja in jede Familie ein. Jeder muss Tribut zollen, die einen durch den Verlust von nahmen Angehörigen, die anderen durch den Verlust ihrer Heimat.
Die Besitzer der Eddelstorfer Höfe bis 1810
Verzeichnis von 1450.
Das ist die Zeit, in der die Familiennamen noch im Entstehen begriffen waren.
Titeke Janeken Titeke Vleken
Meyneke Rademaker junge Tile Janeken
Beneke Trubud k (Kotner) Rummeliff
Henneke Sommerbecken Clawes by dem Dore
Verzeichnis von 1789 bis 1810
Johan Jürgen Hartig (Bretzmann) Hinrich Wilhelm Schmidt
Konau (wüste) Johann Hinrich Scharnhop
Jürgen Friedrich Schulze (Niemanns) Johann Hinrich Steckelberg
Johann Jürgen Meinecke Johann Friedrich Burmester
Johann Peter Wiese Hinrich Benecke
Weitere Nachweise können aus der Chronik anlässlich der 750-Jahr-Feier von 1990 entnommen werden. Ansprechpartner sind Heinz-Jürgen Tippe und Peter Pilarski, beide wohnhaft in Eddelstorf.
Der Lauf der Geschichte unserer Dörfer hat uns gezeigt, dass es immer ein Auf und Ab gegeben hat, dass es seinen Bewohnern mal gut und mal weniger gut erging, dass sie mal im Wohlstand, mal im Elend lebten, aber immer waren die Ursachen nicht Naturkatastrophen, wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Dürrezeiten, sondern der Mensch selbst, der durch Kriege, Grenzverschiebungen oder in neuerer zeit Wirtschaftskrisen und politische Verhältnisse die Ursache für dieses Auf und Ab war.
Möge zukünftig ein friedliches Nebeneinander der Menschen richtungweisend im Leben unserer Dorfbewohner sein, so wie es der Dichter EMMANUEL GEIBEK ausdrückte, als er sagte:
Am guten Alten, in Treue halten,
am kräftigen Neuen sich stärken und freuen,
wird niemand gereuen.
Wenn wir dieses beherzigen – und wir alle haben in einer lebendigen Demokratie die Chance dazu – dann muss uns um unsere Zukunft und die unserer Kinder nicht bange sein.
Beiträge:
Brohmann, Geschichte von B. und Kloster Medingen unter Berücksichtigung des alten Amtes Medingen, Lehrer Fatz und Manger, Lehrer Gustav Reck
Text : Heinz- Jürgen Tippe, Peter Pilarski, Erhard Genning, Horst Unbehauen
Hinweise zu Auszügen finden sich unter anderem im Staatsarchiv Hannover:
Das Winsener Schatzregister 1450/51
Das Medinger Viehschatzregister aus dem Jahre 1564
Contributionsregister 1789
Geschichte der Gemeinde Eddelstorf von Gustav Reck, vorgetragen von Wilhelm Reck zur 750 Jahrfeier.
Überarbeitung 2006 V. Herrmann
